Dienstag 30. April 2019 01:04 Alter: 23 Tage

die Berliner Hand

… wurde für mich von zwei besonderen Ereignissen geprägt: das erste war der 90.ste Geburtstag meiner Mutter, den die Familie ausgiebig feierte.

Aber in einer spielwütigen Sippe kam auch in diesen Tagen das Bridge auf’s Tapet, als eine meine Tanten, kaum dass sie mich begrüßt hatte, mir einen kleinen Schnipsel aus dem Bremer Weserkurier mit einer Verteilung in die Hand drückte mit den Worten: „Bis heute Abend will ich wissen, wie das geht und richtig ist …“

Das Beispiel stammt von Uwe Schoolmann und stellt einen „SA-Klassiker“ dar : 12 Stiche müssen gemacht werden - und 11 Sofortstiche „sieht man“ nur direkt. Nun, in zwei Farben kann man genau sieben machen (mehr ist nicht drin) und die beiden anderen Farben stellen sich wie folgt dar:

Coeur A x x x gegenüber K x x und Treff x x x gegenüber A K B !

In der Zeitung sieht man die Verteilung der Gegner, was die Entscheidung leichter macht, aber ohne das: soll man erst auf einen vierten Coeur-Stich hoffen oder den Treff-Schnitt wagen?

Im Alleinspielprogramm von Michael Gromöller findet sich an vielen Stellen die Lösung, die übrigens von seinem Vater Wilhelm stammt: EVI! Schon mal was von der Dame gehört? Dahinter verbirgt sich die Formel: E-xpass vor V-erteilung vor I-mpass!

Hat man also verschiedene Möglichkeiten, sich seinen fehlenden Stich zu entwickeln, sollte man zuerst die Coeurs testen. Ist natürlich wie immer sehr logisch: damit das vierte Coeur hoch wird, muss der Alleinspieler einmal in Coeur aussteigen, damit „Leo der Dreizehnte“ bei 3-3 Stand bei den Gegnern hoch wird.

Schneidet man zuerst erfolglos auf die Dame in Treff, ist es für den Coeur Stich zu spät. Also den ersten Stich in Pik oder Karo nehmen und aus beiden Händen ein kleines Coeur spielen. Jedes Rückspiel gewinnen, Coeur Ass und Coeur König abziehen - und wenn die Coeurs jetzt unfreundlich standen: auf die zweite Chance, den Treff-Impass, zurückgreifen.

Wenn der auch schief geht: dann ist der Kontrakt eben nicht zu gewinnen!

Der richtige Sitz der Dame ist zwar mit 50 % wahrscheinlicher als die 3-3 Verteilung bei den Gegnern, aber trotzdem ist diese Reihenfolge richtig!
Dies ließ ich mir auch noch mal am Wochenende LIVE in Berlin von Uwe Schoolmann bestätigen und damit kommen wir zum zweiten „Großevent“ des Monats: der 10. German Bridge Team Trophy in Berlin über drei Tage, an denen sich 66 Teams aus aller Welt in 136 Boards den verrücktesten Verteilungen freiwillig stellten.
Das Team der „ECKEN – Autorin“ arbeitete sich am zweiten Tag in kurzem Höhenrausch ins Mittelfeld vor, um dann nur umso tiefer wieder abzustürzen - aber das ist im Endeffekt Nebensache: die Stimmung war bestens, man hat wieder viele Erfahrungen gesammelt und über mögliche Kontrakte gegrübelt – da gingen dann mal Kleinschlemms mit 20 Punkten, oder aber man fiel, obwohl man „die Hucke voll“ in den Händen hielt!

Am Samstagabend liefen wir zu sechst zu unserem Lieblingsitaliener, um bei Pizza oder Pasta zu entspannen, aber das folgende Board ließ mir keine Ruhe, und ich fand zum Glück noch vor dem Essen dank des hilfreichen Hinweises eines befreundeten Bridgers die Lösung, wonach der Abend dann geritzt war!

Die „German Seniors“ reizten an unserem Tisch ungestört 3 SA und mein Partner auf Ost spielte ein kleines Coeur aus. Der Nordspieler gewann den Stich in der Hand, deblockierte das Pik Ass, wechselte dann wieder in die Hand via Treff 10, zog seine hohen Piks und Treffs ab, um uns am Ende noch das Karo Ass zuzugestehen und + 490 zu scoren.

Nun stand auf dem Ausdruck der Verteilung, dass O/W in 4 Coeur verteidigen sollte, was N/S im Kontra nur + 300 eingebracht hätte. Nun, das einzige Vollspiel unterhalb von 4 Coeur ist bekanntlich 3 SA, die man also überbieten sollte? Aber unsere Gegner hatten doch 12 statt 9 Stiche gemacht?

Also fasste ich die verschiedenen (wenn auch vielleicht unsinnigen) Ausspiele von Ost ins Auge, die vielleicht zu einem anderen Ergebnis geführt hätten – und wurde gleich fündig!

Bei Karo Ausspiel könnte West sofort sein Ass nehmen, um auf die Coeur Dame zu wechseln und so durch den Coeur König des Alleinspielers durchzuspielen – und schon wären die ersten 7 Stiche bei den Gegnern?! Und dagegen sollte man mit 4 Coeur verteidigen, um ein besseres Ergebnis zu erzielen? Kurios … aber die Lösung fand sich dann in den kleinen Karten! Entdeckt?

Ost übernimmt den König mit dem Ass, zieht mit seinem Buben die beiden restlichen Coeurs von N/S - und kann es jetzt aber nicht verhindern, dass er mit einem seiner winzigen Coeurs zur 6 oder 7 von West zurückspielen muss, das heißt, die Coeurs blockieren an dieser Stelle.

Tauschte man lediglich die 5 mit der 6 auf O/W aus, müsste N/S bei diesem speziellen Angriff (bzw. mit offenen Karten) statt +400 leider -150 schreiben!

Nach dieser letzten erfolgreichen Knobelei des Tages schmeckten mir Wein und Pasta ganz besonders gut …


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